Das Wasser, das frisch und klar aus dem dunklen Schoss der Erde quillt, ist in vielen Kulturen Sinnbild für bedingungslose Fruchtbarkeit, Lust und Liebe. Ein Ort der Engel und "Sünderinnen".
Das Wort Born stammt etymologisch
von "Bronn" und bedeutet Quelle, Brunnen.
In Städtenamen wie Heilbronn oder Paderborn taucht es noch auf.
Die Griechen sahen in den Quellen den Sitz
weiblicher Gottheiten oder Quellennymphen, die sie vor allem als Spenderinnen
der Fruchtbarkeit verehrten. Den Nymphen, die sich stets frischer Jugend
erfreuten, wurden viele Liebesgeschichten zugeschrieben. Sie lockten,
verführten und betörten vor allem die jungen Männer. Noch heute ist es in
vielen orientalischen Regionen den Männern quasi verboten, sich müßig an einem
Brunnen aufzuhalten. Die Nymphen könnten ihnen den Kopf verdrehen. Brunnen sind
oft in fester Hand der Frauen des Dorfes – vielleicht auch, um etwas von der
Aura der Quellengöttinnen in sich aufzunehmen.
Die magische Qualität der Quellen und Brunnen
wurde besonders in der deutschen Romantik und in der Wandervogelbewegung
wiederentdeckt. So schreibt Novalis in Hermann von Ofterdingen: „Was ihn aber mit aller Macht anzog, war eine
hohe lichtblaue Blume, die zunächst an der Quelle stand, und ihn mit ihren
breiten, glänzenden Blättern berührte... Er sah nichts als die blaue Blume, und
betrachtete sie lange mit unnennbarer Zärtlichkeit. Endlich wollte er sich ihr
nähern, als sie auf einmal sich zu bewegen und zu verändern anfing; die Blätter
wurden glänzender und schmiegten sich an den wachsenden Stengel, die Blume
neigte sich nach ihm zu, und die Blütenblätter zeigten einen blauen
ausgebreiteten Kragen, in welchem ein zartes Gesicht schwebte".
Brunnen haben bis heute eine große Anziehungskraft auf die Menschen. Der Trevi Brunnen in Rom hat unter Liebenden und Liebesuchenden fast heiligen Charakter. Lust verliert seinen Beigeschmack des Profanen, Triebhaften oder Anrüchigen. Sie löst alle Grenzen und auch Begrenzungen auf, sie wird gleichsam zu einer spirituellen Erfahrung.